Schmerzbilder nach Alphabet

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Arthritis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

15% der Patienten mit Colitis ulcerosa entwickeln - meist kurz nach einem Colitis-Schub - eine Arthritis. Eine Sacroileitis findet sich bei 15% der Colitis ulcerosa-Patienten. Lediglich 5% haben einen der ankylosierenden Spondylitis-ähnlichen WS-Befall.
Von den Morbus Crohn Patienten bekommen 20% eine Arthritis, 20% eine Sacroileitis, und 6% entwickeln eine ankylosierende Spondylitis.
Insgesamt sind beide Geschlechter gleich häufig betroffen, und der Altersgipfel für beide Erkrankungen liegt bei 15 - 35 Jahren.
Zumeist findet sich vor Auftreten der Arthritis ein langdauernder Verlauf der chronischen Darmentzündung. Bei Colitis ulcerosa konnte ein gehäuftes Auftreten einer Arthritis im Anschluss an einen Colitis-Schub beobachtet werden.
Des Weiteren besteht eine Assoziation der Arthritis mit einem Befall des Colon (bei M. Crohn) bzw. mit einer schweren Verlaufsform der Colitis ulcerosa.
Klinisch präsentieren sich die Patienten zumeist mit einer akuten asymmetrischen Mon- oder Oligoarthritis mit häufiger Beteiligung von Knie- und Sprunggelenken. Eine Sacroileitis ist charakterisiert durch den entzündlichen Rückenschmerz.
Die Dauer der Attacken beträgt einige Tage bis Wochen, seltener Monate. Häufig findet man zeitgleich mit der Arthritis das Auftreten von systemischen Manifestationen (wie Erythema nodosum, Uveitis).
Eine Chronifizierung der Arthritis wird in der Literatur mit einer Häufigkeit von 10% angegeben. Bleibende Schäden an betroffenen Gelenken finden sich bei < 25% der Betroffenen.

Das Vollbild einer Spondylitis ankylosans tritt bei 3-4% der Patienten mit CED auf, wobei Auftreten, Verlauf und Schweregrad der beiden Krankheiten völlig unabhängig voneinander sind.
Eine asymptomatische Sacroileitis findet sich bei 10% der Patienten mit CED.
Andere Manifestationen sind Enthesitiden mit Bevorzugung der Achillessehnen, Uveitiden, Granulome in der Synovia, Muskulatur oder im Knochen, Erythema nodosum und Pyoderma gangraenosoum.
Auch hier findet sich eine Erhöhung der Entzündungsparameter CRP und BSG. HLA-B27 ist bei 50% der Patienten mit Achsenskelett-Befall positiv; für eine periphere Arthritis konnte keine Assoziation mit HLA-B27 gezeigt werden.
Die Analyse der Synovialflüssigkeit zeigt ein mäßig bis deutlich entzündliches Punktat mit Leukozyten-Erhöhungen unterschiedlichen Ausmaßes.
Röntgen der betroffenen Gelenke sind zumeist unauffällig. Ein destruierender Verlauf mit gleichzeitigen proliferativen Veränderungen ist eher die Ausnahme.
Auch ohne Klinik kann eine Sacroileitis vorliegen, die sich radiologisch darstellt und nach der gezielt gefahndet werden muss.
Erforderlich ist das Sichern der Diagnose der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung mittels histologischer Untersuchungen von Präparaten im Rahmen einer Coloskopie bzw. Gastro-/Duodenoskopie.
Wichtig ist das Ausschließen einer Gastroenteritis mit Salmonellen, Shigellen oder Yersinien als Ursache einer reaktiven Arthritis.
Des Weiteren muss bei gleichzeitigem Auftreten von Oligoarthritis und Erythema nodosum auch immer eine Sarkoidose in Betracht gezogen werden. Auch ein M. Behcet kann sich mitunter ähnlich präsentieren.

Mittel erster Wahl sind auch bei Arthritiden im Rahmen entzündlicher Darmerkrankungen NSAR. Nur selten sind Glucocorticoide in systemischer Form indiziert. Bei Vorliegen einer Monarthritis ist die intraartikuläre Glucocorticoid-Gabe oftmals erfolgreich.
Bei chronischem Verlauf ist die Gabe von Sulfasalazin als immunmodulierende Substanz indiziert, da hierdurch eine Besserung sowohl der gastrointestinalen, wie auch der Gelenkssymptomatik erzielt werden kann.
Von zunehmender Bedeutung in der Therapie der CED sowie der Arthritis im Rahmen einer CED sind die verschiedenen TNFα-Antagonisten.