Schmerzbilder nach Alphabet

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Gonokokkenarthritis und Arthritis bei disseminierter Gonokokkeninfektion

Synonyme

Arthritis-Dermatitis-Syndrom
Die Gonokokkenarthritis ist die häufigste hämatogene infektiöse Arthritis im jungen Erwachsenenalter, wobei Frauen häufiger betroffen sind.
Einerseits wird ein direkt toxischer Effekt der Gonokokken auf Gewebe im Rahmen der Sepsis vermutet; andererseits finden sich bei dem Arthritis-Dermatitis-Syndrom zirkulierende Immunkomplexe, denen eine pathogenetische Rolle zukommen könnte. Dies könnte auch eine gelegentlich zu beobachtende Therapieresistenz gegenüber Antibiotika erklären.
Bei der disseminierten Infektion sind die Blutkulturen in aller Regel positiv, und im Initialstadium besteht eine migratorische Polyarthritis oder aber auch nur Polyarthralgien. Die Ergussbildung ist meist nur gering ausgeprägt und klinisch kaum fassbar. Betroffen sind meist Knie-, Hand-, Finger-, Sprung- und Ellbogengelenke. Des Weiteren finden sich Tendinitiden und Tenosynovitiden - am häufigsten im Bereich des Handrückens, seltener des Fußrückens oder der Achillessehne - mit meist ausgeprägter Weichteilschwellung. Im Rahmen des septischen Krankheitsbildes finden sich oft typische papulöse und vesikulo-pustulöse Hauterscheinungen, die entweder abheilen oder aber eine Progredienz aufweisen. In Exprimaten dieser Läsionen lassen sich gelegentlich Bakterien nachweisen. Komplizierend finden sich Endokarditiden oder Meningitiden, wobei 50% der Patienten EKG-Veränderungen als Zeichen einer begleitenden Myokarditis haben.
Seltener als das septische Zustandsbild findet man eine stark exsudative Monarthritis mit Keimnachweis in der Synovia.

Klinisch werden 2 Manifestationsformen im Zusammenhang mit Neisseria gonorrhoeae unterschieden, nämlich das septische Krankheitsbild mit prominenten Hauterscheinungen und die seltener vorkommende exsudative Monarthritis mit positivem Keimnachweis in der Kultur von Synovialflüssigkeit.
Eine 3.Form, die aber nicht im Rahmen dieses Kapitels abgehandelt wird, ist die reaktive Arthritis mit Nachweis der Gonokokken im Urethralabstrich, bei jedoch steriler Synovialflüssigkeit.

Diagnostisch beweisend ist entweder der Erreger-Nachweis in der Synovialflüssigkeit (kulturell) oder das Vorliegen positiver Blutkulturen für N. gonorrhoeae. Wichtig ist bei entsprechendem Verdacht ein geeignetes Gonorrhoe-Nährmedium für die Kultur zu wählen und ausreichend Feuchtigkeit sowie eine Temperatur von 37∞ zu gewährleisten! Es sollte auch ein Erreger-Nachweis aus Eiter oder Sekret (urethral, cervical, rektal, pharyngeal) angestrebt werden.

Äußerst selten sind begleitende Endokarditiden oder Meningitiden.

Die übliche Therapie besteht in der Gabe von Ceftriaxon, das bei deutlicher Besserung der Klinik auf Cefixim umgestellt werden kann. Die übliche Therapiedauer sind 7 Tage.
Bei Penicillin-Allergie wird Spectinomycin über 3 Tage verabreicht, gefolgt von der 4-tägigen Gabe von Ciprofloxacin.
Da häufig eine gleichzeitige Infektion mit Chlamydien vorliegt, wird parallel mit Azithromycin, Doxycyclin oder Eryhromycin therapiert.