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Mixed connective tissue disease

Synonym von

Es handelt sich um eine Kollagenose, die Symptomen eines systemischen Lupus erythematodes mit denen einer progressiven systemischen Sklerose vereint. Das serologische Charakteristikum ist der Nachweis von hochtitrigen Antikörpern gegen U1-small-nuclear-Ribonucleoproteinen (U1-snRNP).
Die Prognose ist gut, vor allem wegen der Seltenheit einer renalen Mitbeteiligung.
Die Prävalenz wird derzeit auf ca. 10 Erkrankungen/100.000 geschätzt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Ein Manifestationsgipfel findet sich zwischen dem 40. und 50.Lebensjahr.
Wie bei den anderen Kollagenosen ist auch hier die ƒtiologie noch weitgehend ungeklärt. Aufgrund des Nachweises eines spezifischen Auto-AK wird eine T-Lymphozyten-vermittelte, Autoantigen-gesteuerte Erkrankung angenommen - mit einer möglicherweise zugrunde liegenden "molecular mimicry" mit viralen Proteinen. Gehäuft findet man bei den Patienten den HLA-DR4-Subtyp, wobei das Epitop ein anderes als das bei der RA ist.
Der von den Auto-AK erkannte Komplex besteht aus U1-RNA mit den assoziierten Proteinen 70kD, A (33kD) und C (22kD). Im Gegensatz zum SLE ist bei diesen Patienten kein Sm-Antikörper nachweisbar, und auch andere Autoantikörper fehlen.
Allgemeinsymtpome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme und schmerzhafte Lymphknoten-Schwellungen sind unspezifisch. Initial besteht häufig ein subjektiv stark ausgeprägtes Raynaud-Phänomen, meist verbunden mit einer diffusen Schwellung der Finger und Hände.
Alle Patienten zeigen eine Beteiligung der Haut, wobei gehäuft eine Sklerodaktylie, eine Calcinosis cutis, Teleangiektasien und Fingerspitzenulcera zu finden sind. Auch findet man eine Sonnenempfindlichkeit, ein Schmetterlingserythem, makulopapulöse Läsionen und andere Erscheinungen eines SLE.
Das häufigste Symptom sind symmetrische Polyarthralgien bzw. eine Polyarthritis der MCP- und PIP-Gelenke. Diese sind meist schwerer als beim SLE, jedoch geringer als bei der RA.
Des Weiteren finden sich Myalgien mit einer proximal betonten Muskelschwäche. Mitunter finden sich auch Zeichen einer floriden Myositis.
Von pulmologischer Seite kann es zum Auftreten einer akuten Alveolitis mit progredienter Entwicklung einer interstiellen Lungenfibrose kommen. Klinisch präsentieren sich die Patienten mit trockenem Reizhusten und einer zunehmenden Dyspnoe. Eine Komplikation der Lungenmitbeteiligung ist das Auftreten einer pulmonal-arteriellen Hypertonie. Bei nahezu 60% der Patienten kommt es zum Auftreten einer trockenen Pleuritis, die sich jedoch fast immer spontan zurück bildet. Klinisch imponiert dies als im Liegen auftretende Hustenanfälle, thorakale Schmerzen, Dyspnoe und Tachykardien.
Herzrhythmusstörungen sind hinweisend auf eine Myokarditis, während eine Perikarditis, die meist selbst limitierend verläuft, thorakale Schmerzen zur Folge hat.
÷sophagusmotilitätsstörungen sind zumeist subklinisch, können sich jedoch in Form von Dysphagie oder Reflux äußern. Spleno- und Hepatomegalie sind weitere seltene Manifestationen. Eine Vaskulitis der Mesenterialarterien kann zu einer Darmperforation mit Entwicklung eines akuten Abdomens führen.
Eine Nieren-Beteiligung bei MCTD ist meist nur gering, wobei es sich am häufigsten um eine membranöse Glomerulonephritis handelt. Seltener besteht eine membranoproliferative oder mesangioproliferative GN. Klinisch findet sich meist eine Proteinurie. Im späteren Verlauf werden, ähnlich wie bei der PSS, mitunter renovaskuläre, hypertensive Krisen beobachtet.
Ungefähr 50% der Patienten entwickeln ein sekundäres Sjögren-Syndrom mit Xerophthalmie und -ostomie.
Das zentrale und periphere Nervensystem ist nur vereinzelt betroffen. Beschrieben wird am häufigsten eine Trigeminusneuralgie. Andere Symptome können sein: Cephalea, Neuralgien, Psychosen, epileptiforme Anfälle, aseptische Meningitiden, Optikusneuropathien oder auch eine transversale Myelopathie.
Man findet eine mit der Krankheitsaktivität korrelierende Erhöhung der BSG sowie eine Hypergammaglobulinämie. Bei Vorliegen einer Leukopenie steht meistens eine Lymphopenie im Vordergrund. Auch kann eine Entzündungsanämie oder seltener eine hämolytische Anämie mit Retikulozytose vorliegen. Sehr selten findet sich eine Thrombopenie.
Diagnostisch wegweisend sind hochtitrige AK gegen U1-snRNP - conditio sine qua non!
Je nach im Vordergrund stehender Klinik muss ein Organ-Screening durchgeführt werden - Thorax-Röntgen, -CT, Herzultraschall und EKG, Oberbauch-Sonographie, Röntgen der Hände und Vorfüsse, usw.
Bei Verdacht auf eine Myositis kann das EMG diesen Verdacht erhärten. Daran anschließen muss sich eine Muskelbiopsie.
Eine undifferenzierte Kollagenose (UCTD) zeigt ebenso wie die MCTD die Charakteristika verschiedener systemischer Autoimmunerkrankungen, erfüllt aber nicht die Kriterien für die letztere. Im Gegensatz dazu weist ein Overlap-Syndrom die Kriterien für mehrere Kollagenosen auf, so dass eigentlich 2 oder mehr von einander unabhängige Erkrankungen vorliegen.

Nichtsteroidale Antirheumatika, Glukokortikoide und Chloroquin/Diphosphat bzw. Hydroxychloroquin sind zur Behandlung der Polyarthralgien/-itis angezeigt. Bei Vorliegen eines Raynaud-Phänomens kommen lokale und systemische Vasodilatatoren sowie physikalische Maßnahmen zum Einsatz. Je nach Klinik können, ergänzend zu Glukokortikoiden, Azathioprin, Cyclophosphamid und andere Immunsuppressiva zum Einsatz kommen.