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Polymyalgia rheumatica

Die Polymyalgia rheumatica ist ein häufiges rheumatisches Krankheitsbild bei älteren Patienten, mit Schmerzen und Steifigkeit im Nacken- und Schultergürtel sowie Hüftgelenksbereich mit einer Dauer von zumindest 1 Monat. Charakteristisch sind eine deutlich erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und ein rasches Ansprechen der Symptomatik auf Glucocorticoidgabe.
Die jährliche Inzidenz der PMR wird auf 700/100.000 Menschen über 50 Jahre geschätzt. 15% der PMR-Patienten entwickeln später eine Riesenzellarteriitis.
Das Auftreten einer Polymyalgia rheumatica vor dem Alter von 50 Jahren ist äußerst selten.
Die Patienten klagen über Schmerzen im Nacken, den Schultern, den Oberarmen, im unteren Rücken sowie in den Hüften. Zumeist findet man einen abrupten Beginn. Charakteristisch ist eine ausgeprägte Morgensteifigkeit in den genannten Körperregionen von zumeist mehr als einer Stunde. Außerdem finden sich deutliche Allgemeinsymptome im Sinne von Müdigkeit, Mattigkeit, Abgeschlagenheit sowie gelegentlich in Form von Fieber.
Im Rahmen der physikalischen Untersuchung lassen sich lediglich Schmerzen und eine eingeschränkte Schulterbeweglichkeit mit einem Punctum maximum morgens und einer Besserung im Laufe des Tages objektivieren.
Vorübergehend kann sich auch eine akute Gelenksentzündung (mit synovitischen Schwellungen) finden.
Charakteristisch ist eine zumeist ausgeprägte Erhöhung der Blutsenkungsreaktion
(> 50 mm/h). Rheumafaktoren und ANAs fehlen in der Regel.
Radiologische Untersuchungen der Schulter- und Hüftgelenke sowie der Hände und Vorfüße zeigen, mit Ausnahme von diskreten, degenerativen Veränderungen, wie sie für das Alter der Patienten typisch sind, keine Auffälligkeiten.
In unklaren Fällen hilfreich ist eine Ganzkörper-Positronen-Emissionstomographie, wo besonders eine zugrunde liegende Riesenzellvaskulitis zur Darstellung kommen kann.
In einer Skelettszintigraphie lassen sich selten Entzündungsareale im Bereich der Schulter- und Hüftgelenke objektivieren.
Anamnestisch und klinisch relativ einfach ausgeschlossen werden kann eine Polymyositis, die durch eine zusätzlich bestehende Muskelschwäche mit progredientem Verlauf sowie den labormäßigen Nachweis erhöhter Muskelfermente abgegrenzt werden kann.
Bei oligosymptomatischen Verläufen mit lediglich erhöhter Blutsenkungsgeschwindigkeit und Allgemeinsymptomen müssen zuerst sämtliche andere Differenzialdiagnosen, insbesondere Malignome, ausgeschlossen werden.

Die Polymyalgia rheumatica zeigt ein rasches Ansprechen auf eine Glucocorticoidtherapie, wobei zumeist eine initiale Tagesdosis von 0,5 mg/kgKG Prednisolon ausreichend ist. Nach Normalisierung der Entzündungswerte und Besserung der Klinik kann eine rasche Reduktion der Dosis bis zu einer Erhaltungsdosis von 5-7,5 mg/Tag erfolgen. Diese muss als Dauertherapie über zumindest ein Jahr fortgeführt werden.
Bei Glucocorticoid-resistenten Fällen wird zusätzlich Methotrexat verordnet.