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reaktive Arthritis

Es handelt sich hierbei um das Auftreten einer Oligoarthritis im Anschluss an einen Harnwegsinfekt mit Chlamydien oder Ureaplasmen bzw. an eine Gastoenteritis mit Yersinien, Salmonellen, Shigellen oder Champylobacter. Mitunter können die zugrunde liegenden Infekte des unteren Harntraktes inapperent verlaufen, sodass lediglich durch das Durchführen eines Urethralabstriches die Diagnose gestellt werden kann. Eine Sonderform der reaktiven Arthritis ist der Morbus Reiter mit der Trias Urethritis, Arthritis und Konjunktivitis.

Man unterscheidet reaktive Arthritiden im Zusammenhang mit
Infektionen des Urogenitaltraktes (Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum?, Neisseria gonorrhoeae?),
nach Gastroenteritiden (Yersinia enterocolitica, Yersinia pseudotubercularis, Shigella flexneri, Shigella dysenteriae, Shigella sonnei?, Salmonella enteritidis, Salmonella typhimurium, Salmonella paratyphi, Salmonella Heidelberg, Clostridium difficile, Campylobacter jejuni, Giardia lamblia?, Blastocystis hominis?, Cryptosporidium?)
und nach anderen Infektionen (Chlamydia pneumonia, Chlamydia psitacci?, Brucella abortus?).

Die Prävalenz der reaktiven Arthritis beträgt ca. 0,05%. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Die Patienten sind zumeist jünger als 40 Jahre.
Wie für die seronegativen Spondylarthropathien, wird auch bei der reaktiven Arthritis ein Zusammenspiel von externen Faktoren und genetischen Faktoren vermutet. Möglicherweise gelangen Bakterien bzw. Bestandteile der Bakterien durch Entzündungszellen in die Gelenke und verursachen dort eine Arthritis.
HLA-B27 könnte dabei eine Rolle bei der Präsentation der bakteriellen Peptide spielen.
Zumeist lässt sich ein vorangegangener Infekt (50-70%) erheben. Hier ist vor allem das Erheben einer Sexualanamnese wichtig.
Nach einer Latenzzeit von Tagen bis wenigen Wochen, kommt es zum Auftreten einer Oligoarthritis, meist der unteren Extremitäten, die häufig asymmetrisch ist. Charakteristisch ist auch das Auftreten einer Daktylitis (Strahlbefall einer Zehe, seltener eines Fingers). Auch Enthesiopathien finden sich gehäuft, insbesondere der Achillessehnen. Weitere Symptome können eine Sacroileitis, eine Keratoderma blenorrhagica, vor allem plantare, der Psoriasis ähnliche Hauteffloreszenzen, eine Balanitis circinata, eine Konjunktivitis sowie eine Uveitis anterior sein.

Charakteristisch für die reaktive Arthritis sind subakute Verläufe mit Auftreten von Remissionen innerhalb von 6-12 Monaten. Lediglich bei Vorliegen einer HLA-B27-Positivität finden sich gehäuft protrahierte und chronische Verläufe.
Der M. Reiter ist charakterisiert durch die Trias Urethritis - Arthritis - Konjunktivitis.
Die Diagnosekriterien erfordern eine asymmetrische Oligoarthritis mit Betonung der unteren Extremitäten und entweder einen symptomatischen Ausgangsinfekt im Urogenital- oder Enteraltrakt oder den direkten Erregernachweis im Urethral- oder Cervicalabstrich, in der Stuhlkultur oder im Rachenabstrich, oder einen 4-fachen Antikörpertiteranstieg; oder aber es liegt ein komplettes Reitersyndrom (siehe oben) vor.
CRP und BSG sind meist erhöht; HLA-B27 ist eher als Risikofaktor für das Auftreten einer Wirbelsäulen-Beteiligung bzw. für einen chronischen Verlauf zu werten.
Für die Diagnosestellung erforderlich ist entweder der direkte Erregernachweis im Urethral- oder Cervicalabstich, in der Stuhlkultur oder im Rachenabstrich, oder aber ein signifikanter 4-facher Antikörpertiter-Anstieg.
Des Weiteren wird im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen die PCR zur Suche nach Chlamydien-DNA/RNA in der Synovialflüssigkeit eingesetzt.
Die Röntgen der betroffenen Gelenke sind zumeist unauffällig; lediglich bei protrahierten und chronischen Verläufen finden sich die für Spondylarthropathien charakteristischen Veränderungen mit dem gleichzeitigen Vorhandensein von Knochendestruktion und Knochenanbau.
Das Vorliegen einer Uveitis oder Konjunktivitis erfordert eine ophthalmologische Betreuung.
Wichtig ist die Abgrenzung der reaktiven Arthritis von anderen Erkrankungen aus dem Kreis der Spondylarthropathien, insbesondere für eine Beurteilung der Prognose.
Bei Vorliegen einer Monarthritis muss eine infektiöse Genese im Sinne einer Arthritis purulenta ausgeschlossen werden.

Allgemeinmaßnahmen beinhalten die Applikation von Kältetherapie und anderen physikalisch physiotherapeutischen Maßnahmen.
Im akuten Stadium kommen NSAR symptomatisch zum Einsatz. Glucocorticoide sind nur selten und bei schwerer systemischer Symptomatik indiziert.
Bei Nachweis einer Chlamydieninfektion im Urethralabstrich wird eine antibiotische Therapie durchgeführt. Dabei kommen Doxycyclin, Erythromycin. Ciprofloxacin oder Azithromycin zum Einsatz.
Bei positiver Stuhlkultur wird die antibiotische Therapie mit Ciprofloxacin durchgeführt, wobei für enterale Erreger der Beweis der Effektivität einer antibiotischen Therapie noch aussteht.
Aufgrund des zumeist oligo- bzw. monartikulären Verlaufs der reaktiven Arthritis haben intraartikuläre Glucocorticoidgaben einen besonders hohen Stellenwert.
Nur bei den seltenen chronischen Verläufen werden immunmodulierende Substanzen angewandt. Dabei steht an erster Stelle Sulfasalazin, sowie als Mittel der 2.Wahl Methotrexat.
Es wurde auch über die erfolgreiche Anwendung von TNF-α-Antagonisten berichtet, wobei hier aufgrund des in der Regel gutartigen Verlaufs eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden sollte.