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virale Arthritiden

Aufgrund epidemiologischer Daten bei unklassifizierter, passagerer Polyarthritis muss angenommen werden, dass wahrscheinlich viele solcher Arthritiden eine virale Ursache haben. Klassische virale Polyarthritiden sind die Rötelnarthritis, Hepatitis-B-Arthritis, Arthritis bei Adenovirusinfektion, Mumpsarthritis, Arthritis bei Mononucleosis infectiosa, Parvovirusarthropathie sowie Arthritiden bei Infektionen mit Arboviren der Gruppe A oder ECHO-Viren.
Insgesamt dürfte es sich um ein sehr häufiges Krankheitsbild handeln, wobei beweisende epidemiologische Daten noch ausstehen.
• Rötelnarthritis: Typisch ist ein Auftreten der Arthritis 1-7 Tage nach dem Exanthem. Es findet sich eine symmetrische Polyarthritis mit Bevorzugung der MCP- und PIP-Gelenke und einer Dauer von wenigen Wochen. Charakteristika der Rötelninfektion sind Fieber, Lymphadenopathie und ein initial makulöses, später papulöses Exanthem, das im Gesicht beginnt und innerhalb von 24 Stunden am ganzen Körper besteht.
• Hepatitis-B-Arthritis: Arthralgien finden sich bei 50% der Patienten mit einer Hepatitis-B, während eine symmetrische Polyarthritis der MCP- und PIP-Gelenke deutlich seltener ist. Die Arthritis klingt regelmäßig innerhalb von 4 Wochen ab. Begleitbefunde sind Fieber, ein erythematös-makulöses (30%) bzw. ein urtikarielles Exanthem (10%), allgemeine Malaise und abnorme Leberfunktionstests. HBsAg ist bei 80% der Betroffenen, auch in der Synovia, nachweisbar.
• Mumpsarthritis: Hier findet sich eine Bevorzugung von jungen Männern. 10 Tage nach Auftreten der Parotitis entwickelt sich eine flüchtige Arthritis vor allem der großen Gelenke. Innerhalb von 2-3 Wochen kommt es zu einer Restitutio ad integrum. Andere Befunde einer Mumps-Infektion sind Orchitis, Prostatitis, Perikarditis und Pankreatitis.
• Arthritis bei Mononucleosis infectiosa: Bei älteren Adoleszenten kann es sehr selten um Auftreten einer der juvenilen chronischen Arthritis oder dem rheumatischen Fieber ähnlichen Gelenksbeteiligung kommen. Das gleichzeitige Vorliegen von Fieber, Lymphadenopathie, Hepatomegalie, Exanthem und Pharyngitis, sowie der Nachweis von mononukleären Zellen im Blut, der positive Paul-Bunnell-Test oder die Antikörper gegen Epstein-Barr-Virus erlauben die Diagnose-Stellung.
• Parvovirusarthropathie: Auch hier finden sich - ähnlich der Rubeolenarthritis - eine symmetrische Polyarthritis mit Bevorzugung der kleinen Fingergelenke und ein ähnlicher Hautausschlag (Erythema infectiosum). Die Entzündungszeichen sind negativ. Die Diagnose erfolgt mittels Nachweis von Antikörpern (IgM und später IgG) gegen Parvovirus-B19 oder von Viren mittels PCR.
Die Entzündungswerte sind meist negativ oder nur gering erhöht. Von Bedeutung sind die labortechnischen Nachweise der bestehenden bzw. stattgehabten Virusinfektion.
Die Röntgenuntersuchungen der betroffenen Gelenke sind unauffällig.
In der Regel ist eine symptomatische Therapie mit NSAR ausreichend. Bei dem sehr seltenen ‹bergang in eine destruktive Polyarthritis kann eine immunmodulierende Therapie mit Resochin oder Methotrexat durchgeführt werden.
Rötelvirus, Hepatitis-B-Virus, Adenoviren, Mumpsvirus, EBV, Parvovirus-B19, Arboviren der Gruppe A, ECHO-Viren